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Der digitale Wandel im Immobilienbereich

Mehr Erträge durch höheren Reifegrad
27. August 2020

Wir alle haben Berichte darüber gelesen, dass der digitale Wandel von einer potenziell wertvollen zu einer erfolgskritischen Aufgabe geworden ist. Mittlerweile verwalten die Unternehmen eine Vielzahl von Ressourcen – von Mitarbeitern über Laptops bis hin zu ganzen Gebäuden – aus der Ferne, und das alles in einem sich schnell ändernden und ungewissen Geschäftsumfeld. Ein einfacher Fernzugriff auf alle relevanten Informationen in einer einzigen Anwendung, kombiniert mit der Leistungsfähigkeit fortschrittlicher Analysefunktionen, dürfte gegenwärtig ein deutlicher Vorteil sein.

Doch Unternehmen, die gerade erst mit der digitalen Umstellung begonnen haben, stellt dieser Prozess vor enorme Anforderungen. Sie müssen zunächst herausfinden, wo ihre gesamten Daten derzeit gespeichert sind, entscheiden, welche Technologien sie zur Verarbeitung und Zentralisierung aller Daten benötigen und dann entscheiden, wer auf welche Datentypen zugreifen und diese kontrollieren soll. Die Vorteile mögen beträchtlich sein, die Lernkurve kann jedoch steil verlaufen.

Bürogebäude im Morgengrauen

Die Schritte zum digitalen Wandel verstehen

Auch wenn die Notwendigkeit einer raschen Digitalisierung auf der Hand liegt, scheint klar, dass nicht alle Firmen die digitale Reifegradkurve in einem Zug bewältigen müssen. Jede Phase bietet erhebliche Vorteile. Das Tempo der Umstellung sollte von den tatsächlichen Bedürfnissen des Unternehmens bestimmt werden.

  • Phase 1: Verteilte, manuelle Eingabe
  • Phase 2: Leicht integriertes Arbeitsplatz-Managementsystem (CAFM)
  • Phase 3: Voll integriertes Arbeitsplatz-Managementsystem (CAFM)
  • Phase 4: Optimiertes CAFM
  • Phase 5: IWMS + Smart Building
  • Phase 6: CAFM + Intelligente Gebäudetechnologie

Anhand der aktuellen Technologien gehen wir von einer digitalen Umstellung in mindestens sechs Phasen aus.

In der ersten Phase nutzen Gebäudemanager und Anlagenbetreiber eigenständige Tools und manuelle Verfahren, um die breit gestreuten Informationen zu verwalten. So können Kostendaten in Form von Papierrechnungen gesammelt und in einer Schreibtischschublade abgelegt werden, während Personaldaten in separaten Excel-Dateien auf verschiedenen Computern und Geschäftsinformationen in diversen Datenbanken gespeichert werden. Probleme werden reaktiv angegangen, da verstreute Informationen und Zuständigkeiten das Antizipieren von Problemen erschweren.

Um eine bessere Übersicht über Management-Aufgaben zu erlangen, könnte die zweite Phase eine CAFM-Light-Version wie Axxerion GO! umfassen. Mit weniger Funktionen und ohne die umfassende Konfigurierbarkeit eines vollständigen CAFM-Systems, zentralisiert und strukturiert eine solche Anwendung dennoch Daten und unterstützt die Einrichtung von Standard-Workflows, die der Organisation Struktur und Effizienz verleihen. Dies wiederum ermöglicht es dem Management, proaktiv zu handeln. Eine solche CAFM-Light-Lösung eignet sich gut für kleine Unternehmen mit relativ einfachen Verwaltungsanforderungen, die die Effizienz und die Vorteile der Digitalisierung ohne die Komplexität und die Kosten eines vollständigen CAFM nutzen möchten.

Die dritte Phase der Digitalisierung besteht in einem umfassenden Arbeitsplatz-Managementsystem, z.B. Axxerion und MCS. Genau wie bei der Light-Version zentralisiert das CAFM die Informationen im gesamten Unternehmen und ermöglicht es zu kontrollieren, wer auf welche Komponenten zugreift, bietet jedoch weitere Module und Konfigurationsoptionen. Das CAFM verfügt über zahlreiche Service-Provider- und Endanwender-Touchpoints, sodass die Vorteile einer besseren Verwaltung dem gesamten Unternehmen zugute kommen. Für mittlere und große Unternehmen ist ein komplettes CAFM von unschätzbarem Wert. Der Grad der Anpassung, Konfiguration und Integration mit anderen Unternehmenssystemen kann unterschiedlich sein, aber das Potenzial, sämtliche Module für Immobilien, Arbeitsplätze, Gebäudedienste und andere Funktionen zusammenzuführen, ermöglicht es Managern, Prozesse und Ergebnisse im gesamten Unternehmen zu verfolgen, zu bewerten und zu verbessern. Auf diese Weise können Manager proaktiv handeln und Leistungs- und Kostenverbesserungen erzielen.

In der vierten Phase wird alles unternommen, um die Prozesse weiter zu optimieren, wobei u. a. die Lebenszykluskosten und die langfristige Planung im Mittelpunkt stehen. Produkte wie O-Prognose zum Beispiel ermöglichen eine umfassende Optimierung der Instandhaltungsplanung, indem sie Funktionen rund um die Inspektion, Planung und Entwicklung von Erkenntnissen, die auf einem umfassenden Fachwissen beruhen, zusammenführen.

Die ersten vier Phasen stützen sich in der Regel auf die manuelle Datenerfassung (wobei automatisierte Prozesse Informationen an verschiedene Geschäftsbereiche weiterleiten können). In der fünften Phase hingegen, mit der automatisierten Datenerfassung und Verwendung von IoT-Geräten, erlangt das gesamte Modell ein höheres Niveau. Durch die detaillierte Überwachung von Räumen, Nutzung, Komfort und anderen Aspekten von Gebäuden ermöglichen intelligente Gebäudetechnologien wie Cobundu neue Einblicke in die Nutzung der Vermögenswerte. Solche Plattformen können die Verwaltung mit Dashboards steuern und gleichzeitig die Bereitstellung von Diensten und den Endanwender-Support verbessern. Diese Technologie ist ideal für Unternehmen, die sich in einem bedeutenden Wandel befinden oder die eine weitere Optimierung der Arbeitsabläufe anstreben, aber angesichts der höheren Kosten mag sie für kleinere Unternehmen nicht rentabel sein.

Gegenwärtig erreicht der digitale Reifegrad seinen Höhepunkt in Phase sechs, wenn Software und Hardware, die in einem ganzen Ökosystem von Gebäudesystemen integriert sind, zu einem digitalen Zwilling (Digital Twin) verschmelzen. Diese virtuellen Repliken des Gebäudes aktualisieren sich ständig selbst mit Echtzeitdaten aus dem gesamten Gebäudelebenszyklus. Aufgrund der Fülle an Informationen in digitalen Zwillingen, gepaart mit Fortschritten in der Künstlichen Intelligenz, werden Gebäude zunehmend automatisiert und erreichen schließlich ein Stadium, in dem sie komplett autonom sein werden, sodass Gebäudeprozesse und Benutzererfahrungen ohne jegliches menschliches Eingreifen gemanagt werden können.

Fazit

Zwar wissen wir alle, dass der digitale Wandel notwendig ist, aber was das konkret bedeutet und inwiefern er für ein bestimmtes Unternehmen sinnvoll ist, kann variieren. Auch wenn wir alle eine Zukunft mit autonomen Büros anstreben, könnten die Einnahmen aus dem Übergang zu Phase sechs in naher Zukunft nur für Unternehmen mit umfassenden Vermögenswerten ausreichen, um nennenswerte Skalenerträge zu erzielen, indem sie die Erkenntnisse eines Zwillings in die Anpassung der Konzeption eines anderen Gebäudes einfließen lassen.

Doch selbst wenn Phase sechs unerreichbar bleibt, sollte dies Unternehmen keineswegs davon abhalten, die Frühphase des Wandels einzuleiten. Die Vorteile eines Übergangs von der ersten zur zweiten oder sogar dritten Phase sind enorm – allein die Zeitersparnis wird auf 50-80 % geschätzt. Daraus können wir schließen, dass es unabhängig von dem Reifegrad, den ein Unternehmen erreicht hat, immer Raum für Verbesserungen und Optimierungen gibt. Wie wir in dem bemerkenswerten Innovationsschub im Bereich der Fernarbeit und der Back-to-the-Office-Lösungen gesehen haben, entwickelt sich die Technologie ständig weiter, um neue Probleme anzugehen; Digital Twins sind vielleicht erst der Anfang.

Wouter Hartemink

Wouter Hartemink

Chief Revenue Officer bei Spacewell

Wouter ist eine erfahrene Technologie-Führungskraft und seit mehr als 15 Jahren im IT- & Big-Data-Bereich tätig. Dank seiner vielfältigen Managementkenntnisse und -erfahrungen ist er in der Lage, sich schnell ein Gesamtbild zu verschaffen, Geschäftssituationen abzuwägen und Chancen zu entwickeln. Er ist ein offener und direkter Gesprächspartner, der sein Augenmerk auf positive Ergebnisse für alle Beteiligten legt.

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